TIERE & ETHIK

WARUM NICHT DEN TIEREN ZULIEBE?

WELTWEITwerden jedes Jahr ungefähr 56 000 000 000 (also 56 Milliarden!) Tiere geschlachtet. Das sind bei einer Weltbevölkerung von 7,3 Milliarden Menschen pro Kopf mehr als 7 empfindsame Wesen, die jährlich für den Konsum getötet werden. Und diese Zahlen berücksichtigen nicht einmal die zig Milliarden Fische und Meerestiere, die aufgrund ihrer Vielzahl nur in Tonnen gemessen werden.

 

Allein in DEUTSCHLAND fielen 2012 mehr als 754 000 000 Tiere der Schlachtung zum Opfer. In jeder Sekunde entspricht dies 24, pro Minute 1435, pro Stunde 86 073 und pro Tag 2 065 753 Individuen. Diese Zahlen sind erschreckend, zumal sie sich jährlich wiederholen.

 

DOCH WARUM SIEHST DU ALLE DIESE TIERE NIRGENDWO?

Das Ausmaß der Ausbeutung und der Gräueltaten sind auf Anhieb nicht ersichtlich.
Der Prozess der Massentierhaltung und -schlachtung ist von der Gesellschaft abgekapselt und geschieht hinter hohen Mauern, damit Dir nicht der Appetit auf Fleisch, Milch und Eier vergeht.

Es ist ein System entstanden, das versucht, Dein natürliches Mitgefühl mit den Tieren zu unterdrücken. Denn die meisten von uns lieben Tiere – egal ob es der eigene Hund, das neugeborene Ferkel, die Kuh auf der Weide oder das süße Reh aus dem Wald ist. Doch diese Idylle existiert nur in der Vorstellung. Mit der Produktion und dem Konsum von tierischen Produkten werden die systematische Ausbeutung von Tieren sowie ein gewaltvolles System gefördert. Es gibt keine artgerechte Tierhaltung, solange den Tieren nicht ihre vollen Bedürfnisse zugestanden wird. Dazu gehört ein Leben in Freiheit und ohne Zweck für den Menschen. Es sind individuelle und fühlende Wesen, die es verdienen, respektiert und wertgeschätzt zu werden.

 

WARUM EMPFINDEN WIR NUR FÜR DIE EINE "ART" VON TIEREN?

Wir streicheln unserem Hund über den Kopf, während wir ein Stück Bacon vom Schwein essen oder ein Glas Milch von einer Kuh trinken, die nicht nur nach Kalbung ihr Neugeborenes qualvoll verliert, sondern selbst umgehend erneut geschwängert und nach vier Jahren Hochbetrieb geschlachtet wird. Warum? Damit der Mensch die Milch konsumieren kann, die ihr Körper eigentlich für ihr Kalb erzeugt. Das Leben der Kälber ist ebenfalls schicksalshaft. Jährlich landen bis zu 180 000 trächtige Kühe beim Schlachter und ihre noch ungeborenen Kälber ersticken leidvoll im Mutterleib. Männliche Kälber werden nach der Geburt billig verkauft oder verenden. Weibliche Kälber erwartet das gleiche Schicksal wie ihrer Mutter.

 

„Haustiere“ haben im Vergleich zu „Nutztieren“ eine andere Stellung in der Gesellschaft. Jemand, der sein Haustier wie beispielsweise einen Hund, eine Katze oder das Pferd schlägt, verprügelt oder gar schlachtet, stößt auf Unverständnis, wird der Tierquälerei bezichtigt und gesellschaftlich geächtet.

 

Doch Schweine, Rinder, Kälber, Ziegen, Schafe, Hühner und Hähne, Gänse, Hasen und Fische, die in unendlichen Massen in den Supermärkten in einzelnen Stücken verpackt zum Verkauf angeboten und tagtäglich konsumiert werden, finden keinen Schutz, und dass, obwohl der Grundsatz des Tierschutzgesetzes lautet: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen” (§ 1 Satz 2). Doch was genau kann eigentlich ein vernünftiger Grund hierfür sein? Der Appetit auf Fleisch, Milch und Eier? Stillschweigend wird ihr tägliches Leid hingenommen und das Ausbeutungssystem unterstützt.

 

Der einzige Unterschied zwischen „Haustieren“ und „Nutztieren“ ist derjenige, dass sie vom Menschen als solche benannt und die einen als „essbar“ und die anderen als „nicht essbar“ kategorisiert werden. Diese Form der Unterscheidung ist lediglich kulturell geprägt - es ist ein Konstrukt, das die Menschen erschaffen haben, um die Tötung der einen Spezies nach Außen hin als legitim zu verkaufen.

 

Tatsächlich verbindet uns viel mehr mit ihnen, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Jeder, der ein Haustier besitzt, wird bestätigen können, dass ein Tier einen eigenen Charakter und Gefühle besitzt und auch Empathie zeigen kann. Jede Form von Schmerz, Angst und Freude teilen und erleben sie wie wir Menschen. Der Überlebensinstinkt unterscheidet sich ebenfalls nicht von uns – wie wir wollen auch sie leben.

 

Allen 56 Milliarden Tieren, die der Schlachtungsindustrie dieses Jahr zum Opfer fallen, wird das Leben genommen. Hinzu kommen die unzähligen Tiere, die in der Produktion für tierische Nahrungsmittel ausgebeutet und misshandelt werden oder frühzeitig durch Erkrankungen, mangelnden wirtschaftlichen Nutzen oder an ihrem Leid verenden.

 

Mit jedem Euro, den Du beim Konsum tierischer Produkte ausgibst, unterstützt Du dieses ausbeuterische und ungerechte System.

 

 

DIESE TIERE KÖNNEN NICHT FÜR SICH SPRECHE, DESHALB MÜSSEN WIR ES TUN, UM DEM LEID ENDLICH EIN ENDE ZU SETZEN.

 

 

 


ZUR WEITEREN VERTIEFUNG DIESES THEMAS EMPFEHLEN WIR DIR DIE FOLGENDEN BÜCHER UND LINKS:

Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Karnismus – eine Einführung. Verlag compassion media.

http://www.compassionmedia.org/warum-wir-hunde-lieben-schweine-essen-und-kuehe-anziehen-melanie-joy/

 

Hilal Sezgin: Artgerecht ist nur die Freiheit: Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen. Verlag C. H. Beck.

http://www.chbeck.de/Sezgin-Artgerecht-Freiheit/productview.aspx?product=13040850

Einen Vortrag von Hilal Sezgin mit anschließender Diskussion zu diesem Thema gibt es auch in unserem Programm.

 

Heinrich Böll Stiftung, BUND & Le Monde diplomatique (Hrsg.) (2014): Fleischatlas. Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel. Berlin. http://www.boell.de/fleischatlas

 

Gary Yourofsky ist weltweit der wohl bekannteste Tieraktivist. Das Video ist zwar nur auf Englisch verfügbar, aber seine Worte sollten Nachhall finden. https://www.youtube.com/watch?v=9d44U5pvTmU

 

Earthlings von Shaun Monson. Ein Dokumentarfilm über den Umgang mit unseren Erdgefährten. http://www.earthlings.de/